Grundbegriffe der Kanariezucht

Grundbegriffe der Kanarienzucht

Fachbegriffe aus der Kanarienzucht, deren Bedeutung jeder Kanarienfreund wissen sollte.

 

A

Achat: verdünnter Schwarzvogel. die Melanindichte ist reduziert

Ad: adultus = erwachsen, wegen der Unterscheidung zwischen Jung- und Altvogel am Gefieder, versteht man unter einem adulten Vogel einen ausgefärbten Vogel

Albino: im gesamten Organismus fehlt das Dunkelpigment, Federfarbe weiß und Augenfarbe rot

Allele: an der gleichen Stelle in zwei paarigen Chromosomen liegende, zu einander passende Erbfaktoren

Armschwingen: innere Schwungfedern

Autosomen: freie Chromosomen, Sitz der freien Vererbung

B

Befruchtung: Vereinigung der Samenzelle mit der Eizelle zur Zygote

Biotop: natürliches Lebensgebiet

Bürzel: Schwanzwurzel der Vögel

C

Canthaxantin: (C40H58O2), rotes Carotinoid, das im Vogelkörper bei entsprechender Erbanlage durch Umbau des pflanzlichen Luteins und Betacarotin über das gelbe Kanarienxanthophyll entsteht

Carotin: Farbstoff der Karotte, nach ihm sind die Carotinoide benannt

Chromatin: die im Zellkern durch das Zellhäutchen umschlossene Kernmasse bestehend aus Chromosomen

Chromosom: Kernschleife, die bei der Zellteilung aus der Kernmasse dem Chromatin entsteht

Crossing-over: Gen-Austausch, kreuzen

D

Dimorphismus: unterschiedliches Aussehen der Geschlechter einer Art

Diploid: mit dem doppelten Chromosomensatz versehen

Domestikation: Haustierwerdung

Dominant: vorherrschend, verdeckend wird die Vererbung eines Merkmals genannt, welches das allele Merkmal vollkommen überdeckt

E

Eizelle: weiblicher Gamet (Keim- oder Geschlechtszelle)

Elterngeneration: P-Generation (Parentalgeneration)

Erbanlage: Erbfaktor, Gen, grundlegende Einheit, die für die Entstehung erblicher Merkmale und Eigenschaften verantwortlich ist. Die Erbanlagen liegen in lineare Anordnung auf den Chromosomen

Erbbild: Genotyp, Gesamtheit aller Erbanlagen

Erbformel: Zusammenstellung aller bekannt gewordenen Erbanlagen eines Individuums durch Buchstabenpaare

Erscheinungsbild: Phänotyp, Sichtbild

Eumelanin: stäbchenförmige, braune bis schwarze Farbkörner, die infolge eines Oxydationsvorganges aus Promelanin entstehen

Eumo: Mutationfarbe, Gegenstück zum Phaeo Die Mutation Eumo zeigt im Sichtbild stark reduziertes Eumelanin. Das Zeichnungsmelanin ist nur ganz fein, wie bei einem Messerschnitt, ausgeprägt. Die Farbbezeichnung ist eine holländische Namensgebung, früher unter dem Namen des Erstzüchters VAN HAFE bekannt. Die Vögel sind auch an der roten Augenfarbe zu erkennen.

F

Faktorenaustausch: crossing-over, Austausch von Chromosomenstücken oder Genen innerhalb des Chromosomensatzes vor der Reifeteilung der Keimzellen

Filialgeneration: Folge- oder Tochtergeneration

Freie Vererbung: Erbgang, bei dem die betreffende Erbanlage nicht auf dem X – Chromosom liegt. Im Gegensatz dazu steht die geschlechtsgebundene Vererbung.

G

Gameten: Geschlechtszellen

Genetik: Vererbungswissenschaft, Erblehre

Genotyp: Erbbild

Gleicherbig: reinerbig oder homozygot

Grauflügel: aus den Schwarzpastellkanarien entstandene Farbvariante. Das Melanin wird fast bis in die Federspitzen zurück gedrängt. Das Zeichnungsmelanin auf dem Rücken weicht einer halbmond-förmigen Hämmerung

H

Handschwingen: äußere Schwungfedern

Heterozygot: mischerbig oder spalterbig

Homozygot: reinerbig

H: Bezeichnung für das Gen, auf dem der Haubenfaktor lokalisiert ist

I

Immat: unausgefärbt, steht zwischen juvenil und adult

Intermediäre Vererbung: mittelnde Vererbung, die Vererbung gleich starker elterlicher Erbanlagen schafft ein neues, gemischtes Erscheinungsbild zum Beispiel: gelb x rot = orange

Intersexe: Vögel, bei denen die Ausbildung von Eierstöcken bzw. Hoden gehemmt oder ausgeblieben ist. Vögel zeigen keine geschlechtsspezifischen Merkmale und sind in jedem Falle unfruchtbar.

Inzest: engste Inzucht

Ivoor: lipochrompastell ,Vererbung rezessiv, geschlechtsgebunden

J

Juvenil: Jugendfederkleid

K

Kanarienxanthophyll: gelber Farbstoff des Kanarienvogels, entsteht durch den Umbau pflanzlicher Carotinoide, im speziellen Fall Lutein und Betacarotin

Keimzelle: Geschlechtszelle

Kern: wichtigster Bestandteil der Zelle, die Kernmasse besteht aus Chromatin, daraus bilden sich nach der Zellteilung die Chromosomen

Kombination: bei der Kombination versucht man die Merkmale verschiedenerbiger Eltern in der Nachzucht zu vereinen

Kontrollpaarung: züchterische Maßnahme zur Sichtbarmachung verdeckter Eigen- schaften

Kobalt: eine der jüngsten Farbmutationen. Das Melanin ist dunkler als bei normalen Melaninkanarien, an den Flanken bis über die Ständer und Unterbauchseite hinaus führend, etwas matter vom Sichtbild

L

Letalfaktoren: Erbanlagen, die bei doppeltem Auftreten die Entwicklung hemmen und zum Tode führen, meist schon im vorgeburtlichen Stadium

Linienzucht: nennt die Züchtersprache die Verpaarung entlang der Linie, der Keimbahn. Diese Art der Inzucht dient dem Ziel, wünschenswerte Rasseeigenschaften im gleichen Individuum zu sammeln (z.B.Vater x Tochter, Mutter x Sohn, Großmutter x Enkelsohn)

Lipochrom: Fettfarbe, auch als Carotinoid bezeichnet

Lutein: gelbliches, pflanzliches Carotinoid, das vom Kanarienvogel, je nach Anlage, in gelbes Kanarienxanthophyll, oder von dort in rotes Canthaxantin umgewandelt wird

Lutino: melaninfreier Vogel mit gelber Grundfarbe und roten Augen

M

Melanine: sandgelbe bis schwarze Farbstoffe, in den Federzellen stäbchenförmig bis körnig eingelagert. Melanine entstehen aus der farblosen Vorstufe Promelanin durch ein oxydierendes Ferment. Man unterteilt in Eu- und Phäomelanin

Melanismus: Schwarzfärbung, deren Ursache Modifikation oder Mutation sein kann. Totale Schwarzfärbung wird Nigrismus genannt.

Mendelsche Gesetze: im Jahre 1866 von Johann Gregor Mendel veröffentlicht. Vererbungs- gesetze (Uniformitäts-, Spaltungs- und Unabhängigkeitsgesetz)

Mischling: Hybride, Kreuzungsprodukt

Modifikation: Abänderung eines Merkmals durch Umwelteinflüsse. Die Änderung des Erscheinungsbildes ist nicht erblich (erworbene Merkmale). Als Beispiel seien die Hungerformen genannt.

Mutation: plötzliche Änderung der Erbanlagen ohne erkennbare äußere Einflüsse, Ausgangspunkt für Neuzüchtungen

N

Nestflüchter: lauf- oder schwimmfähiger Jungvogel

Nesthocker: bis zur Erlangung der Flugfähigkeit im Nest verbleibender Jungvogel

O

OF: Ostwaldsche Farbnorm, von Prof. Dr. Wilhelm Ostwald aufgestellter Farbenkreis mit 24 Normalfarben. Durch Dr.Dunker wurden erstmalig die Farbstufen 1-6 zum Vergleich mit den Carotinoidfarben des Kanarienvogels herangezogen

Oologie: Lehre von den Vogeleiern

Opal: Mutation, Verdrängung des braunen Melanins und damit weitere Verdünnung desselben, Schwanzunterseite dunkler gefärbt als die Oberseite

Onyx: Mutationsfarbe bei Melaninkanarien, die Lagerungsdichte der Melanine ist verändert. Während sie im Kopf-, Hals- und Nacken- bereich verdichtet ist, nimmt sie an anderen Körperstellen ab

Ornis: Vogelwelt

P

P-Generation: Parentalgeneration, Elterngeneration

Phaeo-Inos: Kanarien der Schwarz- und Braunreihe, bei denen durch Wegfall des Eumelanins nur noch Phäomelanine die restliche rötlichbraune Säumung der Rücken- und Flankenfedern und eine Säumung des Großgefieders hervorrufen. Die Augenfarbe ist rot.

Phänotyp: Sichtbild

Pigment: Farbstoff, dunkle Pigmente werden als Melanine, gelbe bis rote als Lipochrome bezeichnet.

Polyandrie: Wechsel des Brutpartners

Polygamie: Viel-Ehe

Polymerie: das Zusammenwirken mehrerer gleichartiger, aber in verschiedenen Chromosomen abgelagerter, Erbfaktoren

Protoplasma: zähflüssige Zellmasse, in die der Kern eingebettet ist

Q

Quarantäne: Sicherheitshaltung neu erworbener Vögel von 4 bis 6 Wochen, um ansteckende Krankheiten nicht in den eigenen Vogelbestand zu übertragen

R

Rasse: Abgrenzung und definierte Erscheinung einer Art

Rezessiv: zurückweichend, überdeckt

Reduktionsteilung: Halbierung des Chromosomensatzes in den Samen- und Eizellen vor deren Reifung

Rubino: melaninfreier Vogel mit roter Grundfarbe und rotem Auge

Rückkreuzung: Kreuzung der F1- mit der P-Generation

S

Samenzellen: männliche Keimzellen, Spermatozoen

Satinet: Mutation, weitere Verdünnung der braunen Eumelanine gegenüber isabell, hellrotes Auge

Selektion: Züchtung, bei der durch Auswahl der Zuchttiere versucht wird, eine Steigerung bzw.Abschwächung oder Ausmerzung bestimmter Eigenschaften zu erzielen

Sichtbild: Erscheinungsbild

Spalterbig: mischerbig, ungleicherbig, heterozygot

Spaltungsgesetz: 2. Mendelsches Gesetz, Aufspalten der F2-Generation nach bestimmten Zahlenverhältnissen

Standard: festgelegte Bestimmungen für Größe, Form, Gestalt, Farbe und Zeichnungsmuster der verschiedenen Kanarienrassen

Strukturfarbe: infolge bestimmter Zellstrukturen der Feder, durch Lichtbrechung entstehende Farbe (optischer Blaufaktor)

T

Topas: Mutation bei Schwarz- und Achatvögeln, Verdrängung des schwarzen Zeichnungsmelanins bis fast an den Federschaft. Aus dieser Tatsache heraus, entstand auch die ziemlich treffende Bezeichnung Zentralmelanin. Der Federschaft bei Topaskanarien ist melaninlos.

Typus: Körperform und Größe

U

Unabhängigkeitsgesetz: 3. Mendelsches Gesetz, die betrachteten Merkmale werden unabhängig voneinander, auf verschiedenen Chromosomen liegend, in der Erbgang eingebracht.

Uniformitätsgesetz: 1. Mendelsches Gesetz, dominante Vererbung, denn alle Jung- vögel ähneln den Elterntieren.

V

Variationsbreite: Spielraum zwischen der größten und geringsten Abweichung vom Normalwert eines Erbmerkmals

Verdeckt: unterdrückt, siehe rezessiv

Vererbung: Übertragung elterlicher Merkmale auf die Nachkommen

Vererbungslehre: Erblehre, siehe auch Genetik

W

Wechselhecke: viel praktizierte Zuchtvariante, vor allen Dingen bei Gesangskanarien. Ein Hahn wird im Wechsel zu drei bis vier Hennen gesetzt. Es sollen dabei gute Erbanlagen des Hahnes vervielfacht weiter gegeben werden. Relativ ökonomische Heckart, da für die wenigeren Hähne, die benötigt werden, geringere Anschaffungs- und Pflegekosten entstehen, als bei der Paarhecke. Die Paarhecke ist hingegen die natürlichere Fortpflanzungsart bei den Kanarienvögeln.

X

X-Chromosom: Geschlechtschromosom, bei männlichen Vögeln doppelt, bei weiblichen nur einmal, im Chromosomensatz vorhanden. Erbanlagen, die auf dem X-Chromosom liegen, vererben geschlechts- gebunden, das heißt: damit ein Merkmal sichtbar werden kann, müssen alle X-Chromosomen, die vorhanden sind, die Erbanlage für dieses Merkmal besitzen (beim Männchen also zweifach, beim Weibchen einfach). Daraus ergibt sich auch, dass ein weiblicher Vogel niemals spalterbig in ein geschlechtsgebunden vererbendes Merkmal sein kann.

Y

Y-Chromosom: haploid vorkommend, nur weibliche Vögel besitzen ein Y-Geschlechts- Chromosom.

Z

Zelle: Ureinheit des Lebens

Zellstruktur: Art des Zellaufbaus

Zygote: befruchtete Zelle